Sonntag, 30. Juni 2013
Abschiede tun weh.
Jetzt ist er weg. Er sitzt im Flieger auf dem Weg zurück zu seiner Heimat. Bestimmt freut er sich schon und wird mich bald vergessen. Ich wollte einen letzten Kuss von ihm, nach allem, was wir durchgemacht haben. Ist das zu viel verlangt? Einen Abschiedskuss zu wollen?

Vorgestern war die Abschiedsfeier von ihm. Wir haben Alkohol besorgt und Trinkspiele gespielt. Ich war aber nicht in der Stimmung, denn ich wollte mich nicht vergnügen, damit alles noch mehr wehtut. Ich saß nur ruhig am meinem Platz und schaute den anderen zu, wie sie langsam einem nach dem anderen betrunken wurden und rumalberten.

Ich habe mich unsichtbar gefühlt. Als wäre eine Glaswand zwischen mir und den anderen. Ich konnte sie sehen und hören, aber sie mich nicht. Selber habe ich nicht gemerkt, dass ich betrunken war, bis ich aufstand und mir richtig schwindelig wurde. Irgendwann war es dann so weit: Alle haben ihre Klamotten, bis auf die Unterwäsche, ausgezogen und sind in den Pool gesprungen. Ich blieb erstmal weiter sitzen, bis mich irgendwann jemand holte. Meine Stimmung besserte sich und ich sprang in den Pool. Mitternachtsschwimmen fühlte sich so gut an.

Ich sah wie er rausging und folgte ihm, in Versuchung ihn wieder in den Pool reinzuschmeissen, doch er haute ab und versteckte sich, bis ich trocken war und meine Sachen anzog. Irgendwann kam der Abschied. Ich habe ihn mehrmals umarmt und die Tränen sammelten sich zusammen, doch die habe ich unterdrückt, da er die ganze Zeit zu mir meinte, dass ich nicht weinen soll. Ihm zuliebe tat ich es nicht. Als ich dann vor ihm stand und in seine Augen gekuckt habe, wäre es fast passiert. Ich bin einen Schritt nach vorne gegangen, stellte mich auf Zehenspitzen und wäre ich noch einen Stück weiter gegangen, hätte ich ihn geküsst. Aber natürlich habe ich Angst gekriegt, wie er reagieren würde und was dann wäre, deshalb umarmte ich ihn wieder und küsste ihn auf die Wange. Das tat er auch bei mir, dabei streifte er knapp meinem Mund.

Ich hatte noch Hoffnung, dass er mich küssen würde und mir sagen würde, dass er genau so fühlt wie ich. Eifersucht stieg in mir auf, als er sich bei den anderen Mädchen verabschiedete und sie umarmte. Ich sah einfach nur zu und ich spürte einen Stich in meinem Herzen. Ploetzlich kam er wieder auf mich zu und umarmte mich nochmal.
Er stieg in das Taxi, drehte sich zu mir um und sagte „Ich hab dich lieb“. Ich schaute ihn verdattert an. Das hat er noch nie zu mir oder zu irgendjemand anderes gesagt. „Ich dich noch mehr“ antwortete ich. Dann fuhr das Taxi los. Er fuhr weg. Weg von mir. Weg von uns allen. Er fuhr einfach aus meinem Leben raus. Ich konnte nichts tun, ausser das Taxi hinterherzuschauen bis es verschwand. „Das wars wohl..Ich war aber auch zu naiv zu denken, dass er genauso fühlt wie ich“ habe ich gedacht und brach in Tränen aus.

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